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„Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.“ Chinesisches Sprichwort

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Allgemein, Innovationsmanagement

In den letzten Tagen hat uns bei der pionierfabrik ein Film über den Bau eines Hotels in China sehr beschäftigt. Nun ist ein Hotelbau ja nichts Außergewöhnliches – in diesem Fall aber doch, denn es wurde ein Hochhaus mit 30 Stockwerken in 15 Tagen errichtet! Wer es nicht glaubt, schaut sich am besten den Film oben an.

WOHNUNGSNOT IN DEN STÄDTEN

„Schon vor dem Ersten Weltkrieg war eines der großen Probleme der Mangel an gesunden und zumindest minimal ausgestatteten Wohnungen zu erträglichen Mieten für die breiten Bevölkerungsschichten. […] Am schlimmsten war die Wohnungsnot in den Großstädten. 1927 fehlten in Deutschland mindestens 600.000 Wohnungen.“[1]

EIN NEUER GEIST IM BAUEN

„Die Probleme der Neuen Wohnung wurzeln in der veränderten materiellen, sozialen und geistigen Struktur unserer Zeit, nur von hier aus sind diese Probleme zu begreifen.“ (Zitat von Mies van der Rohe)[2]

VON DER IDEE BIS ZUM BAUBEGINN

„Die politische und wirtschaftliche Situation in Württemberg normalisierte sich nach dem Krieg schneller als im übrigen Reich und auch die Bauwirtschaft erholte sich. 1919 trat eine neue Ortsbausatzung in Kraft, die als Grundlage für die „Beschaffung und Freihaltung von Bauland für die nun anlaufenden Siedlungsvorhaben“ dienen sollte. In den Städten und Gemeinden wurde jetzt vermehrt Wohnungsbau betrieben. Wurden 1919 bis 1927 in Stuttgart 8.469 Wohnungen gebaut, waren es bis 1932 bereits 18.730. Den entscheidenden Anstoß für den Bau der Weißenhofsiedlung gab eine kleine Gruppe junger, fortschrittlicher Maler und Architekten, zu denen unter anderen Richard Döcker, Richard Herre, Hugo Keuerleber, Willi Baumeister und der Journalist Düssel gehörten. Sie wollten einen Beitrag zur Lösung des Wohnungsbauproblems erarbeiten, der in der Öffentlichkeit zur Diskussion gestellt werden sollte.[…] Die Vorgabe war, billige und gesunde Wohnungen für den modernen Großstadtmenschen als Prototyp zu erstellen. Das dafür vorgesehene Gelände beim Weißenhof auf einer aussichtreichen Hochfläche im Stuttgarter Norden war seit fünf Jahren im Besitz der Stadt.

Nachdem der Deutsche Werkbund den Auftrag erhalten hatte, bestimmte dieser den Architekten Mies van der Rohe als Projektleiter. Dieser entwickelte zusammen mit Hugo Häring ein erstes Bebauungsmodell, dessen Grundidee aus kubischen Formen und flachen Dächern bestand.

Zu einer von Bruckmann vorgeschlagenen Zusammenarbeit mit dem Hauptvertreter der „Stuttgarter Schule“, Prof. Paul Bonatz, kam es nicht, weil Bonatz und seine Kollege Schmitthenner sich bereits vorher in äußerst polemischer Weise in der Stuttgater Presse gegen diesen Entwurf ausgesprochen und damit Stadt und Bauleitung brüskiert hatten. Bonatz schrieb im Schwäbischen Merkur: “ Man hat das Gefühl, als stürze sich die Stadt mit der Werkbundsiedlung am Weißenhof in ein Abenteuer. Diese Befürchtung wird verstärkt, wenn man den ersten Plan von Mies van der Rohe für die Werkbundsiedlung sieht. Der Plan ist unsachlich, kunstgewerblich und dilettantisch. In vielfältigen horizontalen Trassierungen drängt sich in ungewöhnlicher Enge eine Häufung von flachen Kuben am Abhang hinauf, eher an eine Vorstadt Jerusalems erinnernd als an Wohnungen für Stuttgart.“ Bonatz schlug dagegen einen engeren, auf Württemberg beschränkten Wettbewerb vor. Die Architekten sollten nur mit Mitteln arbeiten, die „…erprobt, handwerklich vernünftig und bodenständig sind.“ Die „Stuttgarter Schule“ hatte zweifellos Verdienste bei der Ablösung des Historismus am Ende des Kaiserreichs. Aber ihr spätbürgerlicher, heimatbezogener, solid handwerklicher Stil bot keine Lösungsansätze für den vom Werkbund geforderten Aufbruch in ein neues Bauzeitalter.„[3]

SCHWIERIGKEITEN BEIM BAU

„Am 1. Februar 1927 erfolgte der erste Spatenstich. Die fertigen Pläne lagen zu diesem Zeitpunkt teilweise noch nicht vor, weil die Stadt wegen Kostenüberschreitungen kurzfristig eine Verminderung der Baumassen und Kosten erzwungen hatte. Am 14. April gab es erst die letzten Bauvergaben an Firmen, die Häuser Poelzig und Oud waren Anfang Mai noch nicht begonnen. Deshalb herrschte großer Zeitdruck, die meisten Häuser mussten in weniger als drei Monaten fertiggestellt werden […] Am 23. Juli 1927 wird die Weißenhofausstellung verspätet eröffnet.[4]

WELCHE VERÄNDERUNG GAB ES SEITDEM IN DEUTSCHLAND?

Was hat sich seitdem in der deutschen Baubranche getan? Damals waren wir Weltspitze. Wo stehen wir heute?

INNOVATIONEN BEIM BETON

„Grau, hart und schwer ist Beton. Zwar ist das Material immer schon essenziell für den Hausbau. Doch Architekten konnten ihre Ideen nicht immer mit dem massiven Material umsetzen. Aber die Industrie hat daran gearbeitet – neue Mischungen sind leichter. Das Grundrezept für Beton ist einfach. Was man dafür braucht, liefert die Natur: Zement aus Kalkstein und Ton, Wasser und die sogenannte Gesteinskörnung aus Sand, Kies oder Splitt. Aber die Industrie arbeitet längst mit viel komplexeren Mischungen. Damit kann man lichtdurchlässige sowie besonders feste und leichtere Teile als mit der Standardmischung bauen. Und auch dünnere Formen sind möglich –
was den Bauherren neue Gestaltungsmöglichkeiten gibt. Hightech-Beton enthält viele Zusatzstoffe. Fließmittel oder etwa Beschleuniger beeinflussen, wie gut er aushärtet und, wie lange er hält. «All diese Bestandteile haben Einfluss auf die Nutzungseigenschaften, aber auch auf die Ästhetik des Betons», erklärt Torsten Förster vom Verein Deutscher Zementwerke (VDZ). Das hat etwa zur Folge, dass bestimmte Betons weniger verschmutzen. Denn an bestimmten Oberflächen haftet etwa kein Taubendreck mehr […] Allerdings ist das High-Tech-Material auch teurer und nicht alle Bauunternehmen bieten es an. Middel rät, Fachfirmen mit entsprechender Erfahrung bei der  Herstellung solcher Bauteile oder Bauwerke zu kontaktieren. Bauherren sollten sich die Referenzen anschauen.“ [5]

NEUE MESSLATTE KOMMT AUS CHINA

So schnell entsteht ein neues Hotel, zumindest in China: Der Bau des 30 Stockwerke hohen Ark Hotel in Changsha im Reich der Mitte dauerte gerade einmal 15 Tage. Das Zeitraffer-Video vom Hochbau ist mit über 5,9 Millionen Aufrufen der meistgesehene Onlinefilm über Hotelbau. [6]

FAZIT

Dieser unkonventionelle Beitrag zum Thema Veränderung zeigt deutlich:

  • Wir leben von und mit der Veränderung, ob wir es wollen oder nicht.
  •  Junge & Fortschrittliche gilt es zu unterstützen.
  • Es gibt immer „Menschen“, die das Neue ablehnen (siehe „Bonatz“ und „nicht alle Bauunternehmer“).
  • Um an der Weltspitze zu sein und zu bleiben, benötigt es Veränderungs- und Lernfähigkeit. Nur so kann Innovation entstehen.
  • Das Zitat im Blogtitel bekommt damit eine ganz neue Bedeutung.

QUELLE

1 Ulmer, Manfred et al. (2009): Die Weissenhofsiedlung, Seite 11
2 Ulmer, Manfred et al. (2009): Die Weissenhofsiedlung, Seite 13
3 Ulmer, Manfred et al. (2009): Die Weissenhofsiedlung, Seite 20-21
4 Ulmer, Manfred et al. (2009): Die Weissenhofsiedlung, Seite 22
5 Roloff, Jan Hinnerk (2013): Ein starres Material wird flexibel – Innovationen beim Beton | Waltroper Zeitung URL http://www.waltroper-zeitung.de/ratgeber/bauen-und-wohnen/berichte/Ein-starres-Material-wird-flexibel-Innovationen-beim-nbsp-Beton;art345,1122295#plx17041494, Abruf 16.11.13
6 http://www.tophotelchains.com/sites/default/files/datein/06-04-2013_0.pdf, Abruf 16.11.13

 

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