Website Usability

Allgemein

Zahlreiche Ratgeber widmen sich der Frage, wie Webartikel maximal erfolgreich sind. Hierzu werden die Methoden des Online-Marketings ausgeschöpft: Suchmaschinenoptimierung (SEO) wird standardmäßig empfohlen, auch Suchmaschinenadvertising (SEA) gilt gemeinhin als Zaubermittel um die Reichweite zu boosten. Was dabei häufig nicht beachtet wird, ist, dass das Ziel eines Artikels meist nicht nur darin besteht, eine hohe Reichweite zu erlangen. Mindestens ebenso wichtig ist es, dass der Artikel dem Leser auch gefällt. Damit dieser Aspekt nicht in Vergessenheit gerät, dient dieser Artikel dazu, Instrumente und Methoden vorzustellen, um die Usability von Artikeln für Menschen zu erhöhen – unabhängig von der Attraktivität für Bots und Suchmaschinen.

Doch was genau ist eigentlich Usability? 

Die ISO 9241-11 beschreibt Usability als Ziel „zur effektiven, effizienten und zufriedenstellenden Erreichung ihrer Ziele unter Berücksichtigung des jeweiligen Nutzungskontextes zu befähigen.“ Was entscheidend insbesondere für die Nutzerfreundlichkeit ist, muss in der heutigen Zeit Usability auf die Optimierung der Suchmaschinen ebenfalls angewendet werden. Sie wurde erstmals bei Websites mit kommerziellem Hintergrund untersucht. Festgestellt wurde hierbei, dass nutzerfreundliche Webseiten positiven Einfluss auf den Unternehmenserfolg hatten. Hierfür sind insbesondere drei Eigenschaften von besonderer Bedeutung.

  1. Effektivität
  2. Effizienz
  3. Zufriedenheit

Während Effektivität die Einfachheit der bereitgestellten Informationen beschreibt, beschreibt die Effizienz die Abhängigkeit zwischen Suchauftrag und Sucherfolg. Explizit bedeutet dies, wie schnell der jeweilige Anwender die gewünschte Information gefunden hat. Daraus resultiert schlussendlich die Zufriedenheit. Je schneller der Anwender die gesuchte Information gefunden hat, desto zufriedener ist dieser. Die Nutzungshäufigkeit resultiert aus der Zufriedenheit.

Keine Usability ohne User Experience

Die Usability bildet insbesondere die Basis für die User Experience. Hierbei soll das Erlebnis für den Kunden weiter optimiert werden. Dabei soll der Nutzer nicht lediglich eine bestimmte Information erhalten, sondern auch positive Gefühle wie Spaß hervorgerufen werden. Durch die Kombination von Usability und User Experience soll die Zufriedenheit der Anwender langfristig gesteigert werden und dadurch die Bindung an das jeweilige Unternehmen optimiert werden.

UX Design

Im User Experience Design konzentriert man sich auf das Anwendererlebnis des Kunden. Hierbei fällt auf, dass in der Literatur User Experience mit Usability gleichgesetzt wird. Bei dem Design gilt es eine plattformübergreifende Funktionalität sicherzustellen. Das Bedeutet, dass der Inhalt und die damit bereitgestellte Information auf allen Gerättypen gleich sein müssen. Zudem müssen sämtliche Icons dieselbe Funktion besitzen. Für ein optimales User Experience Design gilt es sich die Anwendergruppe zu vergegenwärtigen, um das Design auf diese Zielgruppe zu optimieren. So gilt es bei Angeboten, die sich auf die sogenannten Silversurfer konzentrieren, insbesondere auf Farbgebung und eine unterstützende Struktur zu achten. Als Silversurfer bezeichnet man Nutzer ab einem Alter von 50 Jahren. Als unterstützende Strukturen werden größere Zielobjekte, eindeutige Rückmeldungen nach Aktionen, wenige Doppelklicks und eine geringe Anzahl an Animationen sein.

Usability Meme

Methoden zur Prüfung

Steht der Begriff Usability im Raum, denkt man unweigerlich an die klassischen Verfahren wie einen Usability-Test im Labor mit Probanden. Dabei gibt es weitaus mehr Möglichkeiten. Usability-Spezialisten bieten sich weitaus mehr Verfahren, die je nach Fragestellung, Zielgruppe, Kontext, Art und Entwicklungsstand des Testobjektes, etc. zum Einsatz kommen können. In diesem Kapitel werden einige Verfahren des Usability-Test näher betrachtet.

Grundsätzlich lassen sich die Methoden in drei Ziele der Maßnahmen filtern:

  • Nutzerbedürfnisse ermitteln
  • Konzepte entwickeln
  • Usability überprüfen

Zusätzlich ist der Zeitpunkt des Projektes relevant für die Auswahl der Prüfungs-Methoden. Es wird unterschieden zwischen „vor einem Launch“, „nach einem Launch“ und „während des laufenden Betriebes“.

Im Folgenden werden übliche Methoden dargestellt und erklärt.

Aufgabenanalyse

Das Ziel bei der Anwendung der Aufgabenanalyse ist, dass die entstandenen Ergebnisse die Basis für einen Entwicklungsprozess bilden, welcher nutzerbezogen ist. Diese Methode bezieht sich auf die Analyse des Einsatzbereiches der Website. Das bedeutet, dass analysiert wird, welche Zielgruppe angesprochen werden soll. Zusätzlich sind die Verhaltensmuster und Charakteristiken für die Web-Usability relevant. Anschließend wird auf der Grundlage der, mit Hilfe der Aufgabenanalyse, gewonnen Erkenntnisse Modelle in Form von Use Cases und Szenarien entwickelt, welche einen Optimierungsspielraum der Usability aufzeigen sollen.

Contextual Inquiry (Kontextanalyse)

Diese Methode fokussiert sich auf die Erkenntnisgewinnung durch mit dem Anwender geführte Interview, welches in seiner natürlichen Umgebung stattfindet. Während des Interviews analysiert und beobachtet der Fragesteller den Anwender in Hinsicht auf die Lösung von Aufgaben. Anschließend bewerten die Anwender die eigene Durchführung der Aufgaben und diskutieren ihre Vorgehensweise mit mit dem Interviewer. Der Vorteil dieser Methode ist, dass externe Faktoren (Einflüsse der Umwelt, Interaktionen mit anwesenden Personen) in die Datenerhebung und Analyse miteinbezogen werden können. Dies ist bei der einer Durchführung im Testlabor nicht der Fall.

Fokusgruppen

Bei der Usability-Methode Fokusgruppen diskutieren potentielle Nutzer über mögliche Konzepte und Optimierungsvorschläge, sowie erarbeiten Ideen zur Entwicklung der Usability. Die Diskussion wird von einem neutralen Moderator geleitet und findet in einer homogenen Zielgruppe statt. Voraussetzung für eine qualitativ hochwertige Diskussion ist die vorhergegangene Festlegung von Themenbereichen und bestimmten Aspekten. Es besteht die Möglichkeit die Diskussion online oder offline durchzuführen.

Nutzertagebücher

Nutzertagebücher verfolgen den Zweck der Gewinnung von Daten über eine selektierte Zielgruppe oder den Umgang eines vorher festgelegten Produktes/ Anwendung. Die Gewinnung der Daten erfolgt mit der Unterstützung einer regelmäßigen Dokumentation der Nutzer über einen bestimmten Zeitraum. Die Dokumentation fokussiert sich auf das Verhalten der Nutzer und kann in Form von Papiertagebücher, Onlinefragebögen sowie mit Handys erfolgen.

Online-Befragungen

Die Usability-Methode der Online-Befragungen lässt sich in zwei Bereiche aufteilen. Zum einen kann die Onsite-Befragung genutzt werden. Hierbei wird ein Layer auf der Website implementiert, welche den Besucher der Website zur Teilnahme an einer Online-Befragung einlädt. Genutzt wird diese Methode während und nach der Nutzung des Angebotes der Website, um Nutzerstrukturen und die Interaktionen der Nutzer bewerten zu können.

Onsite-Befragungen

Anhand eines Layers, also einer auf der Seite eingebetteten Ebene, die sich beispielsweise bei einem Ereignis öffnet, werden die Besucher einer Website zur Teilnahme an einem Online-Fragebogen eingeladen. Diese Art der Onsite-Befragung wird hauptsächlich zur Bestimmung von Nutzerstruktur/ -intentionen eingesetzt.

Panel-Befragungen

Bei der Panelbefragung wird in einem Online-Access-Panel die gewünschte Zielgruppe abgebildet und anhand eines Online-Fragebogens befragt. Möglich sind hier beispielsweise Anforderungs-, Zufriedenheits- und Benchmarkinganalysen.

Personas

Aufgrund quantitativer und qualitativer Nutzerdaten lassen sich idealtypische Nutzermodelle erstellen. Diese Modelltypen (Personas) werden als Schablone für die potentielle Nutzerschaft eines Produktes angenommen und Bedürfnisse abgeleitet. Das für diese Gruppen intendierte Produkt muss diese Bedürfnisse erfüllen. Ein konkretes Beispiel für eine Persona wäre Susi Sorglos, 35, verheiratet, 2 Kinder. Susi Sorglos soll eine Seite für junge Mütter auf Usability testen. Dabei steht Susi Sorglos stellvertretend für eine ganze Gruppe von Frauen und stellt somit eine Persona dar.

Expertenbasierte Evaluation

Usability-Experten bewerten bei der Expertenbasierten Evaluation aufgrund allgemein anerkannter Usability-Guidelines, also Richtlinien, die Nutzerfreundlichkeit einer Anwendung. Zuerst prüft jeder Experte diese allein: dabei versetzt er sich in die Rolle eines Nutzers und versucht anwendungsrelevante Aufgaben zu lösen.  Es handelt sich hierbei also um eine Kombination von heuristischer Evaluation und Cognitive Walkthrough, also dem Schrittweisen Durchdenken eines Problems. Im nächsten Schritt werden die durch alle Experten gefunden Probleme gesammelt und in ihrer Schwere, also ihrem Verstoß gegen die genannten Guidelines, bewertet. Ziel ist die Identifizierung möglicher Bedien- oder Verständnisprobleme einer Anwendung, die zukünftige Nutzer erfahren könnten.

Eye-Tracking

Beim Eye-Tracking tragen Probanden eine Brille bzw. vorab wird der Verlauf ihrer Augen eingestellt. Anschließend werden die Blickverläufe per Infrarottechnik sowie Mausbewegungen bei der Bedienung einer Anwendung aufgezeichnet. Zusätzlich kann durch die Aufforderung zum „lauten Denken“ eine Kombination verbalisierter Meinungen und aufgenommener Blickverlaufsmessungen erreicht und so wichtige Informationen über inhaltliche und gestalterische Optimierungsansätze gewonnen werden.

Neben den obig dargestellten Methoden, existiert noch eine Vielzahl von weiteren Methoden. Um die passende Methode für eine möglichst qualitativ hochwertige Anwendung auszuwählen, muss das Ziel und der Fokus der Optimierungswünsche definiert und festgelegt werden.

Abschließend ist es vor allem wichtig, dass im Vorfeld an einen Usability-Test immer sorgfältig überlegt wird, welches Verfahren in dem jeweiligen Fall Sinn macht bzw. wie groß eine Zielgruppe ausfallen muss, damit sie repräsentativ ist.

Fazit

Usability ist nicht nur essentiell für den Erfolg und die Reichweite einer Website, sondern sorgt auch dafür, dass ihre Kunden und Partner Sie so wahrnehmen, wie Sie wirken wollen: klar, kompetent und verlässlich. Die Usability des eigenen Webauftrittes ist Ihr Aushängeschild. Mit unseren Ratschlägen sorgen Sie dafür, dass Sie genau den Eindruck machen können, den Sie machen wollen.

 

Quellen:

http://usability-toolkit.de/usability-methoden/

http://www.usabilityblog.de/2010/03/welche-usability-methoden-gehoren-heutzutage-in-die-toolbox-eines-web-usability-professionals/

http://www.onlinemarketing-praxis.de/web-usability/usability-test-16-methoden-zur-messung-der-usability

 

Autoren: Katharina Klaß, Max Schmidt, Marvin Endres, Christopher Marker