Virtueller Influencer

Virtuelle Influencer im Zuge der Digitalisierung

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Der neue Trend – virtuelle Influencer

Konkurrenz für Bibi und Co.

Bibis Beautypalace, Caro Dauer und viele weitere Influencer sind heutzutage kaum mehr weg zu denken. Dank ihnen wissen insbesondere junge Frauen, wann was derzeit angesagt ist und wann nicht. Welche Beauty Produkte gerade neu auf dem Markt gekommen sind oder einfach nur wo es sich am besten entspannen lässt. Sie sind Vorbilder für viele junge Frauen, sei es für ihren Klamotten Stil oder in ihrer Lebensweise. Doch neben ihnen steigt ein neuer Trend auf – virtuelle Influencer.

Auch Unternehmen haben die Beliebtheit der Influencer bereits erkannt und nutzen diese für ihr Marketing. So ist es nichts Besonderes mehr, wenn ein Influencer Werbung für einen Smoothie, eine Haarbürste oder für Klamotten macht. Dies scheint für die meisten Unternehmen sehr lukrativ zu sein. Aber was wäre, wenn Bibi und Co im echten Leben gar nicht existieren würden? Was ist, wenn Marken wie Chanel, Louis Vuitton oder Mac Cosmetics ihre Werbung mit Hologram machen würden? Wie klingt das? Eigenartig? Interessant? Unvorstellbar? Gar nicht möglich?

 

Erstellung Virtueller Influencer

Zukunftsmusik?

Werbung mit nicht existierenden Personen ist nicht nur eine Vision von Futuristen, sie sind bereits ein Teil der digitalen Welt. Virtual Influencer – ist das Stichwort. Miquela, besser bekannt als @lilmiquela – ein virtueller Influencer auf der Social Media Plattform Instagram, macht momentan Werbung für die berühmte Marke Prada. Hier zeigt sich Miquela in der neusten Kollektion von der Modemarke und fordert dazu auf deren Instagram Seite zu folgen.

Miquela kommentiert sogar ihre eigenen Beiträge und führt echte Gespräche mit ihren Follower. So ist es verständlich, dass sich viele Instagram Nutzer nicht darüber einig sind wer oder was genau Miquela ist. So schreibt einer ihrer Follower unter einem von ihr “selbst” erstellten Foto: „Is she really a doll/ robot? Some people say she is…” Mit Kommentaren wie: „Maybe I’m just feelling myself after collaborating on my favorite article of clothing…“ bringt sie die Instagram Welt völlig durcheinander und lässt vergessen, dass sie in Wirklichkeit gar nicht existiert. Hinter diesem und vielen weiteren virtuellen Influencer stecken intelligente Köpfe, welche sie so realistisch wie möglich erscheinen lassen.

Was sagen Kritiker dazu?

Die Meinungen über virtuelle Influencer könnten unterschiedlicher gar nicht sein. So gibt es Befürworter der neuen Art vom Influencer Marketing, welche die Meinung vertreten, dass ein solcher Influencer in die Zeit der Digitalisierung hervorragend hinein passt. Aber auch Gegensprecher, welche bereits bei dem Gedanken an virtuellen Robotern oder künstliche Intelligenz eine Gänsehaut bekommen.

In Science Fiction Filmen, wie „I Robot“ ist die künstliche Intelligenz zunächst ein Helfer für die Menschheit, später versuchen diese der Menschheit überlegen zu sein und sie zu vernichten. Diese Tatsache kann eine der Befürchtungen sein, warum es Menschen gibt, die gegen virtuelle Influencer sprechen. Unternehmen sehen virtuelle Influencer als Chance für ihr Marketing. Stephen Hawking, einer der bedeutendsten Physiker des 21. Jahrhunderts, sprach in einem Interview mit der Printausgabe „Wired“ über seine Befürchtungen in Bezug auf die künstliche Intelligenz. So sagte er zu dem Reporter: „Die künstliche Intelligenz wird den Menschen insgesamt ersetzten.“ Die Frage die sich hieraus ergibt, ist: Ist ein virtueller Influencer ein Segen oder eine Bedrohung für die Influencer von heute? Und wie wird es in Zukunft mit den virtuellen Influencer weiter gehen?

 

Hi, mein Name ist Miquela!

Virtuelle Influencer sind Meinungsmacher, die sich in ihren Social Media Beiträgen nicht als reale Personen, sondern bspw. Als eine realitätsnahe 3D-Figur, präsentieren. Miquela, besser bekannt unter ihrem Instragram Profilnamen lilmiquela, ist die erste virtuelle Influencerin der Welt. Sie ist attraktiv, jung und hat bereits über 1.200.000 Follower auf Instagram.

Auf ihren Bildern lächelt sie selbstbewusst in die Kamera. Dabei fallen besonders ihre vielen kleinen Details, wie beispielsweise die hohe Anzahl an Sommersprossen in ihrem Gesicht oder aber die kleinen Zahnlücke zwischen ihren Vorderzähnen, dem Betrachter ins Auge. Auf den Fotos auf ihrem Instagram Profil „lilmiquela“ posiert sie entweder alleine, oder aber mit Freunden. Dabei trägt sie meist Markenkleidung, wie beispielsweise Oberteile von Diesel oder Chanel. Zusätzlich hat sie bereits einen eigenen Song auf Spotify veröffentlicht und engagiert sich auch politisch, indem sie Slogans postet und veröffentlicht. Kurz und knapp, lilmiquela ist die perfekte Influencerin. Das Problem ist nur: Sie ist nicht echt.

Virtueller Influencer

Die Definition des virtuellen Influencer

Damit ist gemeint, dass sie nicht „real“, also nicht aus Fleisch und Blut ist. Sie ist ein vollständig animierter Charakter, welcher von verschiedenen Personen im Hintergrund betrieben wird. Das Motto dabei lautet, wenn schon nicht real sein, zumindest real wirken. So sind beispielsweise die Freunde auf ihre tatsächlich real. Dies geschieht indem Miquela nachträglich auf bereits geschossenen Fotos hinzugefügt wird. Geld verdient Miquela allerdings bis jetzt angeblich noch nicht damit. Sie behauptet aber, bereits jetzt Testproben verschiedener Firmen zugeschickt zu bekommen.

Erst ab diesem Jahr sind Modelverträge mit großen Labels wie beispielsweise Chanel geplant. Das besondere an Miquela ist, dass das perfekte Mittelmaß wird hier selbst kreiert und damit die Idee eines perfekten Influencers verwirklicht wird. Denn Miquela vereint augenscheinlich alle nötigen Eigenschaften, welche ein erfolgreicher Influencer so mitbringen muss. Sie ist immer modisch, hat einen brasilianisch-spanischen Hintergrund und lebt gleichzeitig in Kalifornien. Dadurch wird sie für die verschiedensten Märkte dieser Welt attraktiv. Die Tatsache, dass sie virtuell ist, macht sie zusätzlich neu und besonders, sie ist quasi ihr Alleinstellungsmerkmal.

Reine Markenbotschafter oder auch Persönlichkeiten?

Ihre politischen Statements sind perfekt auf das liberale Publikum der Instagramer abgestimmt. So setzt sie sich gleichzeitig für mehr Genderfreiheit ein und spricht sich gegen „White Supremacy“ aus. Hinzu kommt, dass ihr nicht der Makel, so vieler Influencer an, anhängt, mit ihrer korrekten Meinung eigentlich nur Geld machen zu wollen. Schließlich ist sie nicht echt. Ein weiterer Vorteil ist, dass es viel schwerer ist, einen rein virtuellen Influencer für seine Inhalte verantwortlich zu machen.

Die Kritik, die auf einen rassistischen oder sexistischen Kommentar ihrerseits folgen würde, würde ins Leere laufen, da sich die eigentliche Person hinter Miquela nicht zu erkennen gibt. Da die Kommunikation bisher nur per Chat verläuft, hat der- oder diejenige, welche hinter Miquela die Fäden zieht, stets Zeit sich die Antworten gut zu überlegen. Allerdings hat ihre Perfektion auch Grenzen. Denn Miquela muss sich auf den Raum beschränken, in dem sie so perfekt ist – den Virtuellen.

 

Virtuelle Influencer in Louis und Chanel

Die Virtuellen Influencer sind wie jeder andere Influencer, mit einem großen Unterschied. – Sie sind virtuelle Charaktere, die nur online, wie auf Social Media Plattformen, existieren. Wie bereits beschrieben arbeiten und präsentieren sie sich mit und in Marken wie Supreme, Prada und Chanel. Sie werben mit ihrem Image und promoten über ihre Social Media Präsenz exklusive Events, wie jeder andere Influencer. Jedoch eben nur online und weit entfernt von der realen Welt.

Das Sternchen unter dem virtuellen Influencer Himmel ist vorallem auch Miquela. Sie modelt und postet auf Instagram wie jeder andere Influencer, veröffentlicht sogar Musik auf Spotify und erreicht damit August 2017 den 8. Platz auf Spotify Viral. Wie üblich promotet auch Sie durch posierende Fotos und Markennennungen eine Bandbreite an Marken und setzt für Chanel, Proenza, Supreme, Vetements oder auch Vans Statements in etlichen „Outfit of the day ‚#ootd’“ Posts. Doch Sie arbeitet derweil nicht nur an ihrem eigenen Image und an Pomotions anderer Marken, sondern auch mit “Highsnobiety” an ihrer ersten eigenen Merchandise Kollektion für die realen Fans. Provokativ mit dem Titel „I Am Not A Human Beeing“ setzen beide auf den Hype der virtuellen Influencer und setzen damit ein Statement als neue Generation der Influencer.

Zwischen Stars und Luxus

Real oder auch nicht, virtuelle Influencer gibt es bereits seit Jahren und Miquela ist nur eines von zahlreichen Beispielen der digitalen Möglichkeiten. Bereits in den späten 1990’s gründeten Damon Albarn und Jamie Hewlett mit der virtuellen Band Gorillaz eine virtuelle Identität und schufen sich damit ein neues Image fernab ihres eigenen Persönlichkeitsbildes. Mit dieser Strategie schufen sie neue Gesichter für ihre Musik und gewannen 2006 einen Grammy Award mit den animierten Charakteren.

Auch Stars wie Lady Gaga und Pharell Williams haben bereits im Jahre 2013 mit Hatsune Miku, einer virtuellen japanischen Pop Sängerin, kollaboriert und sie auf Konzerte mitgenommen. Auch allein füllt der künstliche Popteenie Hatsune Miku Konzerthallen und wirbt sich als Testimonial für Weltkonzerte, während sie parallel als Avatar durch zahlreiche Computerspiele turnt. Der Hologram Star fasziniert und begeistert nicht nur Fans, auch Stars, wie Designer Marc Jacobs, rangen sich drum Kleider für die digitalen Ikonen zu entwerfen.

Nicht nur Marc Jacobs allein, auch die Fashion Industrie hat eine Zeit später das Potential virtueller Influencer und Celebrities erkannt. Die Marke Louis Vuitton setzte mit dem Hype 2016 ein weiteres Statement. Nicolas Ghesquiere, Artist Director der Marke, gilt als leidenschaftlicher Gamer und Liebhaber der Manga Kultur. Für die Frühjahr/Sommer Kollektion der Luxus Marke entschied sich der Designer dazu seine Inspiration daraus zu ziehen und gestaltet mit dem Final Fantasy XIII Charakter Lightning eine neue Richtung. Der Charakter mit den pinken Haaren erscheint in drei Campagnen, von oben bis unten in Louis Vuitton Kleider und Schmuck, als Werbeträger des Luxus Labels.

Fluch oder Segen?

Neue Chancen…

Virtueller Influencer

Für Marken und Firmen, die über Influencer werben möchten, ergeben sich neue Chancen durch virtuelle Influencer.

Einerseits ermöglicht die Virtualität, dass eigens für die Produkte einer Marke ein Influencer kreiert wird. Folglich kann die Marke in Eigenregie oder mit Hilfe externer Partner, einen ideal auf sie abgestimmten Influencer erschaffen. Dieser virtuelle Avatar wird auf die Zielgruppen und Märkte zugeschnitten. Oder speziell für neue Zielgruppen und Märkte entwickelt. Somit entsteht der „perfekte“ Influencer.

Neben den Chancen, die sich aus der eigenen Erschaffung des Influencers ergeben, entstehen weitere durch die Kontrollmöglichkeiten von virtuellen Influencern. Entgegen von realen Influencern können die Marken die virtuellen Influencer vollständig kontrollieren. Die Eigenschaften und Äußerungen des virtuellen Influencers bestimmen die Marken selbst. Somit entsteht die Möglichkeit über den virtuellen Influencer Statements bspw. in politischer oder humanitärer Hinsicht in Übereinstimmung mit den Vorstellungen der Marke zu verbreiten. Umgekehrt besteht nicht die Gefahr, dass sich die Eskapaden und Verfehlungen eines realen Influencers negativ auf die Marke auswirken.

…aber auch Risiken.

Wird der virtuelle Influencer nicht – oder zumindest nicht offiziell – von einer Marke betrieben, sondern von unbekannten Personen im Hintergrund ergeben sich bezüglich der der Verantwortlichkeit für die Inhalte Vorteile. Denn in diesen Fällen, gestaltet sich Kritik an den Beiträgen ausgesprochen schwierig. Der virtuelle Influencer kann kaum für den Inhalt verantwortlich gemacht werden, schließlich ist er eine virtuelle Person. Einem virtuellen Influencer kann daher nicht (unmittelbar) Sexismus oder Rassismus vorgeworfen werden. Solange die Betreiber unbekannt bleiben, können auch sie nicht zur Verantwortung herangezogen werden.

Statements ohne Gefahr?

Der größte Kritikpunkt an virtuellen Influencern ist die mangelnde Authentizität, denn die virtuellen Influencer verfügen über keine ehrliche, eigene Meinung. Stattdessen werden sie in erster Linie durch die Partnerschaften bzw. Auftraggeber gesteuert. Durch ihre Virtualität können sie keine Kleidung anprobieren, Essen probieren oder Kosmetika austesten. So kann bspw. kein Oberteil wegen des besonders weichen Stoffs empfohlen werden. Folglich sind die Produktempfehlungen des virtuellen Influencers frei von jeder Authentizität. Wohingegen die Authenzität bei realen Influencern zu den Kernkompetenzen gehört, die sich innerhalb ihres Fachgebiets über Trends und Produkte informieren. Folglich können virtuelle Influencer l

ediglich aktuelle Trends nachbilden und keine neuen Trends lostreten.

Neben der mangelnden Authentizität ergeben sich auch Schwierigkeiten wegen des fehlenden menschlichen Aspekts. Eine Identifikation mit einem virtuellen Influencer gestaltet sich daher schwierig.

Problematisch ist auch, dass die Motivation der Betreiber des virtuellen Influencers häufig unklar sind. Denn es steht nicht immer fest, wer überhaupt den virtuellen Influencer betreibt. In der Regel werden hinter den Influencern Firmen stehen, deren Motivation in erster Linie der Profit ist. Einschlägige Regelungen zur Offenlegung von bezahlten Partnerschaften werden häufig ignoriert. Neben der Beeinflussung der Kaufentscheidung, ist durchaus eine politische Beeinflussung der Follower durch virtuelle Influencer denkbar. Hier ergeben sich naheliegend erhebliche Risiken. Darüber hinaus kann bei Offenlegung der hinter des virtuellen Influencers stehenden Betreiber, ein negativer Effekt zustande kommen.

Darüber hinaus ergeben sich (aktuell) durch die Virtualität verschiedenen Einschränkungen für den Einsatz von virtuellen Influencern. Denn sie könnten ausschließlich im virtuellen Raum auftreten. Eine Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen ist bisher nicht möglich.

 

Ausblick

Das Konzept der virtuellen Influencer mag noch nicht “Mainstream” sein, jedoch setzen immer mehr Marken und Persönlichkeiten auf die Zusammenarbeit mit den digitalen Freunden. Die Spanne zwischen Real und Virtuell verschwimmt immer mehr, sodass sich nicht genau feststellen lässt, ob der Trend ein Fluch oder Segen ist. Denn hinter den animierten Charakteren kann sich jeder vermarkten und promoten. Natürlich für Unternehmen eine riesen Chance, jedoch beeinflussen starke Meinungen auch schnell die Gesellschaft. Daher lässt sich nicht schließen, welches Potential virtuelle Influencer besitzen. Tatsache ist jedoch, dass Content alles ist, was heutzutage zählt, ob real oder virtuell.

Quellen:

https://www.jetzt.de/digital/miquela-ist-die-erste-animierte-influencerin-auf-instagram
http://www.bbc.com/capital/story/20180402-the-fascinating-world-of-instagrams-virtual-celebrities
http://www.adweek.com/digital/virtual-influencers-lead-to-virtual-inauthenticity/
https://www.wired.com/story/lil-miquela-digital-humans/
https://www.adweek.com/brand-marketing/brands-are-creating-virtual-influencers-which-could-make-the-kardashians-a-thing-of-the-past/
https://www.jetzt.de/digital/miquela-ist-die-erste-animierte-influencerin-auf-instagram
http://www.bbc.com/capital/story/20180402-the-fascinating-world-of-instagrams-virtual-celebrities
https://luckyshareman.com/blog/index.php/2018/03/14/virtuelle-influencer/
https://www.highsnobiety.com/p/lil-miquela-virtual-influencer-instagram/
https://www.businessoffashion.com/articles/intelligence/meeting-fashions-first-computer-generated-influencer-lil-miquela-sousa
https://store.highsnobiety.com/products/highsnobiety-x-lil-miquela
http://digital-me-up.com/2018/04/26/the-rise-of-virtual-influencers-the-instagram-phenomenon-lil-miquela/
http://www.spiegel.de/netzwelt/games/hatsune-miku-der-kuenstliche-popstar-aus-japan-a-1004227.html
http://www.spiegel.de/netzwelt/games/hatsune-miku-der-kuenstliche-popstar-aus-japan-a-1004227.html
https://en.vogue.fr/fashion/fashion-inspiration/story/from-lil-miquela-to-shudu-gram-meet-the-virtual-models/1843#3-4

Bildquelle: (c) unsplash.com