Mind the Gap - Digital Talent Gap

Digital Talent Gap

Allgemein

Im Zeitalter von Arbeit 4.0 werden veraltete Technologien immer häufiger gegen neue eingetauscht. Jedoch fehlen Personen, welche den Umgang mit den neuen Technologien beherrschen. Die Kluft zwischen Bedarf und Angebot an digitalem Wissen vergrößert sich und es entsteht eine ‘Digitale Talent Gap’.  

Digitalisierung im heutigen Zeitalter bedeutet die Vernetzung innerhalb eines ganzen Unternehmens und beschränkt sich nicht mehr nur auf einzelne Abteilungen. Prozesse werden digitalisiert und neue, digitale Geschäftsmodelle entwickelt. Dabei bilden Daten das strategische Zentrum der Unternehmen. Begriffe wie ‚Big Data‘, ‚Künstliche Intelligenz‘ und ‚Internet of things‘ gehören zum Wortschatz führender Technologieunternehmen. Veränderungen zeigen auch die Innovationsgeschwindigkeiten von IT-Projekten. Projekte, die länger als drei Monate dauern, drohen zum Zeitpunkt ihrer Einführung veraltet zu sein. Die Anforderungen an die Mitarbeiter steigen. Neue Kompetenzen und Eigenschaften gewinnen an Bedeutung. Gesucht werden Talente, die mit strukturübergreifendem Denken, Geschwindigkeit, Agilität und technischer Kompetenz die Anforderungen der Märkte und Kunden schnell verstehen. Diese Talente werden als digitale Talente oder auch als Digital Talents bezeichnet.

Doch wer sind diese digitalen Talente?

Die Initiative D21 hat in ihrer Studie „D21 Digital Index 2017/2018 – Jährliches Lagebild zur Digitalen Gesellschaft“ drei Gesellschaftsgruppen in Bezug auf die Digitalisierung identifiziert: Digitale Vorreiter, Digital Mithaltende und Digital Abseitsstehende. Dabei sind die Digitalen Vorreiter die, die fast alle mit Smartphones und Laptops ausgestattet sind. Sie zeichnen sich durch ihre begeisterte Internetnutzung und ihr Interesse für die Digitalisierung im Arbeitsumfeld aus.

Die deutsche Gesellschaft wird digitaler - Digital Talent GapEs lässt sich eine positive Bewegung in der digitalen Gesellschaft feststellen.

Sind nun die Digitalen Vorreiter und Mithaltenden die gesuchten digitalen Talente? Die digitalen Talente entstammen oft der Generation Y. Steffi Burkhart, Keynote-Speakerin und Sprachrohr der Generation Y, nimmt eine weitere Teilung vor. Laut Steffi Burkhart finden sich in der Gesellschaft die Digitalen Anwender, die Digitalen Könner und die Digitalen Create-Ups. Dabei sind die Create-Ups die Digitalen Könner mit dem „Entrepreneurship-Mindset“.

Um die Frage zu beantworten, um wen es sich handelt, wenn von den Digitalen Talenten die Rede ist: Gemeint sind jene, die den Blick für’s Ganze haben, über technische Kompetenz verfügen und vor allem die Fähigkeit haben, in neuen Geschäftsmodellen zu denken. „Thinking outside the box“ beschreibt das Querdenken, das Betrachten aus einer neuen Perspektive. Eine wesentliche Eigenschaft, welche Unternehmen von der Konkurrenz im Wettbewerb unterscheidet.

Warum brauchen Unternehmen digitale Talente?

Um in der digitalen Zukunft langfristig wettbewerbsfähig zu sein, ist es zwingend notwendig, digitales Wissen und Kompetenzen im Unternehmen zu bündeln. 54 % der Unternehmen haben aufgrund des Mangels an digitalen Talenten bereits Wettbewerbsvorteile verloren. Dieses Ergebnis entstammt einer Studie der Unternehmensberatung Capgemini in Kooperation mit dem Berufsnetzwerk LinkedIn. Das beschriebene Problem wird in der Studie als ‘Digital Talent Gap’ bezeichnet.

Wie entsteht eine Digital Talent Gap?

Die Ursache für das Fehlen von digitalen Talenten liegt oft bei den Unternehmen selbst. Zwar wird das Thema der digitalen Talentkluft in Unternehmen häufig thematisiert, gezielt entgegengewirkt wird jedoch kaum. Vielfach fehlt die Unterstützung vom Management, um digitale Talente überhaupt für sich gewinnen zu können. Personen der Generation Y haben hohe Ansprüche an ihren Arbeitgeber, welchen dieser gerecht werden muss, um als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden. Dabei geht es nicht nur darum, digitale Talente zu rekrutieren, sondern sie auch zu halten. Das bedeutet, dass das Personalmanagement sowie die Personalentwicklung innerhalb des Unternehmens eine große Rolle spielt. Insbesondere die interne Förderung und Weiterbildung kommt oftmals noch zu kurz. Laut einer Studie der Boston Consulting Group und der WirtschaftsWoche werden zur digitalen Talentrekrutierung nur 52 % interne Kanäle genutzt. Die externen Kanäle hingegen werden mit 86 % wesentlich bevorzugter verwendet. Zudem sind die Budgets für die Entwicklung digitaler Talente sind trotz der Problematik niedrig geblieben oder sogar gesunken.

Natürlich gibt es Unternehmen, welche Trainingsprogramme zur Förderung der digitalen Kompetenzen anbieten. Diese werden von Mitarbeitern jedoch oft als ineffektiv beschrieben. 52 % aller Angestellten ziehen sogar das Lernen durch einen Online-Kurs dem Trainingsprogramm ihrer Organisation vor. Vielfach haben die Beschäftigten auf Grund des täglichen Arbeitspensums auch nicht die Chance, an den vom Unternehmen angebotenen Workshops teilzunehmen.

Um ihre digitalen Fähigkeiten weiter zu verbessern, investieren daher viele der digitalen Talente eigenes Geld und private Zeit (z.B. in oben bereits genannte Online-Kurse). Dies liegt vielfach auch daran, dass Mitarbeiter sich Sorgen machen, ihre Fähigkeiten könnten in Zukunft redundant werden. Umso wichtiger scheint es, den Beschäftigten klare Entwicklungspfade im Unternehmen aufzuzeigen. Merken die Mitarbeiter, dass sie ihre digitalen Kompetenzen im Unternehmen nicht weiterentwickeln können, sind sie sogar bereit, den Arbeitsplatz zu wechseln. Die Sorge vor der Redundanz der eigenen Fähigkeiten und das mangelnde Vertrauen in die Weiterbildungsmaßnahmen des eigenen Unternehmens haben somit das Potenzial, verstärkte Fluktuation zu verursachen.

Die Unternehmen hingegen glauben sogar, dass sie Mitarbeiter verlieren, wenn sie diese in digitalen Kompetenzen schulen. 51 % der befragten Unternehmen der Studie von Capgemini bestätigten dies. Es entsteht ein Konflikt der beiden Parteien: Mitarbeiter möchten weitergebildet werden und setzen dies für ein Verbleiben im Unternehmen oftmals sogar voraus. Unternehmen hingegen befürchten, dass sie Mitarbeiter verlieren, wenn diese über ein größeres digitales Wissen verfügen. Die Digital Talent Gap vergrößert sich.

Der reaktive Ansatz, welchen Unternehmen vielfach verfolgen, trägt nicht zur Problemlösung bei. Nicht einmal ein Fünftel der teilnehmenden Unternehmen der Studie fördert ihre Mitarbeiter, indem sie sowohl aktuelle Bedürfnisse erfüllen als auch zukünftige Anforderungen strategisch planen. Um eine stetige Vergrößerung der zuvor beschriebenen Digital Talent Gap zu vermeiden, müssen Maßnahmen von Seiten der Unternehmen für die Mitarbeiter eingeleitet werden.

Was können Unternehmen tun, um eine Digital Talent Gap zu vermeiden?

Zunächst ist es zwingend notwendig, dass Unternehmen ihre bisherigen ineffektiven Trainingsmaßnahmen überarbeiten. Diese müssen für die Mitarbeiter in der Arbeitszeit durchführbar sein und ihnen einen echten Mehrwert bieten. Zusätzlich muss aufgrund der stetig zunehmenden Technologien die Arbeit in einer virtuellen Umgebung geschult werden. Nötig ist, bisher fehlende Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für das eigene Personal anzubieten, um fehlende Digitalkompetenzen, digitales Können und Knowhow auszugleichen. Durch geeignete Weiterbildungsmöglichkeiten kann den Mitarbeitern die Angst genommen werden, dass ihre Arbeit redundant wird. Für die Mitarbeiter ist es wichtig, das Gefühl zu haben, dass sie und ihre Fähigkeiten gebraucht werden. Daher ist den Mitarbeitern aufzuzeigen, welche Entwicklungsmöglichkeiten es für sie im Unternehmen gibt. Für die Umsetzung solcher Maßnahmen müssen Unternehmen bereit sein, die entsprechenden Budgets zu erhöhen.

Wichtig ist jedoch auch, die Mitarbeiter für den Aufwand des Unternehmens zu sensibilisieren. Verpflichten sich Mitarbeiter an Weiterbildungen teilzunehmen und nach Besuch dieser weiterhin im Unternehmen zu bleiben, fällt auch die zuvor genannte Angst des Arbeitgebers weg.

Um Digital Talents, welche oftmals der Generation Y angehören, anzuwerben und binden zu können, müssen sich Unternehmen als attraktive Arbeitgeber darstellen. Hierfür gilt es deren individuellen Bedürfnisse zu berücksichtigen. Die Art und Weise, wie zukünftige Mitarbeiter rekrutiert werden, ist in regelmäßigen Abständen zu überdenken und mehrere, unterschiedliche Rekrutierungsansätze auszuprobieren. Wichtig ist dabei, herauszufinden, wo die Talente aufzufinden sind. Darüber hinaus können für die Rekrutierung Spezialisten zu Rate gezogen werden.

Um Mitarbeiter ans Unternehmen zu binden, sollten verschiedene Maßnahmen angewendet werden. Ein Beispiel ist das Angebot des flexiblen Arbeitens, welches durch offene Bürokonzepte zu realisieren ist. Weiterhin ist es wichtig, allen Beschäftigten die Möglichkeit zu geben, innovative Ideen einzubringen. So erhalten Mitarbeiter die Chance, sich in der Entwicklung des Unternehmens aktiv einzubringen. Darüber hinaus erhalten Unternehmen neue Blickwinkel, welche dadurch zu zeitgemäßen Veränderungen führen. Auch ist es wichtig, den Beschäftigten Möglichkeiten zu bieten, sich über die Veränderung der eignen Arbeitsstelle zu informieren.

Eine weitere Maßnahme ist die Entwicklung einer klaren Digital Talent Strategie, welche auf das eigene Unternehmen angepasst sein muss. Anhand dieser wird festgelegt, wie der Bedarf und das Angebot vereinigt werden können. Aus dieser Strategie kann ein Lern- & Entwicklungsmodell (L&D) entwickelt werden, welches wiederum das Training der Angestellten unterstützt. Auch in der Unternehmenskultur sollte das stetige Lernen und Entwickeln tief verankert sein, um eine kontinuierliche Weiterentwicklung gewährleisten zu können.

Grundsätzlich gilt: Wer aktuell Vorreiter ist, hat deshalb keine Garantie, auch Vorreiter zu bleiben. Immer mehr Unternehmen steuern, teils unbewusst, auf die Entstehung einer Digital Talent Gap zu. Durch fehlendes Engagement für die Beschäftigten und deren Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, hat ein Unternehmen in Zukunft keine Chance mehr wettbewerbsfähig zu bleiben. Denn nicht nur die Technologien entwickeln sich mit der Digitalisierung, auch die Mitarbeiter müssen gefördert werden. Dazu gehören verschiedene Maßnahmen, die Unternehmen zur Stärkung der digitalen Fähigkeiten ihrer Beschäftigten durchführen können. Um die Digital Talent Gap zu schließen, müssen Unternehmen am Ball bleiben: Heute und auch Morgen!

Daher gilt: „Mind the gap!“

Textquellen:

http://morningbriefing.handelsblatt.com/digichat/artikel/teurer-wettbewerb-um-digitale-talente; Abruf: 10.06.2018

https://www2.deloitte.com/de/de/pages/about-deloitte/articles/digital-talent-grosses-umdenken.html; Abruf: 13.06.2018

http://steffiburkhart.com/der-war-for-digital-talents/; Abruf: 12.06.2018

https://en.wikipedia.org/wiki/Thinking_outside_the_box; Abruf: 13.06.2018

https://www.events-magazin.de/eventbranche/digitaler-wandel-ohne-digitale-talente/; Abruf: 13.06.2018

https://initiatived21.de/app/uploads/2018/01/d21-digital-index_2017_2018.pdf; Abruf: 13.06.2018

https://www.capgemini.com/consulting-de/wp-content/uploads/sites/32/2017/10/the-digital-talent-gap1.pdf; Abruf: 12.06.2018

https://www.capgemini.com/ch-de/news/capgemini-linkedin-report-digital-talent-gap/; Abruf: 10.06.2018

https://www.wearesquared.de/blog/digital-talent-gap-wie-entwickeln-unternehmen-digitale-talente; Abruf: 13.06.2018

https://www.capgemini.com/consulting-de/resources/digital-talent-gap/; Abruf: 13.06.2018

https://www.wearesquared.de/blog/unternehmen-meistern-herausforderungen-der-digitalen-transformation; Abruf: 13.06.2018

Bildquellen:

Bild 1: https://c1.staticflickr.com/1/569/21419985153_9405918c33_b.jpg; Abruf: 10.06.2018

Bild 2: https://initiatived21.de/app/uploads/2018/01/d21-digital-index_2017_2018.pdf; Abruf: 13.06.2018