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Wenn Social Media krank macht…

Allgemein

#facts

Facts über die Social-Media-Krankheit,

Namenhafte Zeitschriften von Huffingtonpost bis zum Spiegel berichten über die zunehmende Social-Media-Krankheit. Dabei ist von Facebook-Burnout, FoMo (Fear of Missing out) und der Social-Media-Depression die Rede. Doch was verbirgt sich wirklich dahinter? Ist die Social-Media-Krankheit Realität oder ein überzogenes Trendthema der Medien? Deshalb stellen wir uns zu Beginn die Frage: Wie viel Prozent der Jugendlichen haben grundsätzlich Zugang zum Internet? Das Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen ermittelte im Jahr 2017, dass 97 Prozent der Jugendliche im Alter zwischen Zwölf und 19 Jahren ein Smartphone besitzen und das Internet zu rund 96 Prozent täglich bzw. mehrmals die Woche nutzen.[1] Die aktuelle Studie der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) veröffentlichte Anfang dieses Jahres die Tatsache, dass 85 Prozent der Zwölf- bis 17-jährigen nahezu drei Stunden täglich WhatsApp, Instagram, Snapchat und Ähnliches nutzen.[2] Die DAK wirft dabei folgende Zahl in den Raum:

2,6 Prozent der Zwölf- bis 17-jährigen in Deutschland sind von Social-Media-Kanälen abhängig.

2,6 Prozent – Eine Zahl die zumal sehr undramatisch klingt aber umgerechnet 100.000 minderjährige Kinder und Jugendliche bedeuten, die in ihrer Entwicklung Social Media so exzessiv nutzen, dass diese die Kriterien einer Suchtkrankheit, welche Entzugserscheinungen mit sich führen, erfüllen. Damit sieht die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler dringenden Handlungsbedarf im Umgang mit sozialen Medien.[3]

Eine weitere Studie resultierend aus der Datenerhebung der „Royal Society for Public Health“ besagt, dass jeder sechste Jugendliche hauptsächlich aufgrund sozialer Medien wie Instagram und Co. unter Angstzuständen leiden. Das Forscherteam untersuchte mithilfe der Befragung von 1.479 Jugendlichen im Alter von 14 bis 24 Jahren unteranderem die negativen Faktoren der sozialen Netzwerke auf die psychische Gesundheit der Jugendliche. Unter den negativen Auswirkungen fallen unteranderem neben Angstzuständen, Depressionen, verminderte Selbstwahrnehmung, Schlafmangel und Cyber-Mobbing. Studienleiterin Shirley Cramer, zieht folgendes Fazit aus der Studie:

„Soziale Medien sind größere Suchtmittel als Zigaretten und Alkohol. Deshalb dürfen wir ihre Auswirkungen auf die Psyche nicht mehr länger ignorieren.“[4]

Quellen: 

[1] http://www.br-online.de/jugend/izi/deutsch/Grundddaten_Jugend_Medien.pdf

[2]https://www.zeit.de/digital/internet/2018-03/social-media-dak-studie-instagram-whatsapp-sucht-jugendliche

[3] https://www.welt.de/vermischtes/article174096366/Studie-100-000-Jugendliche-sind-suechtig-nach-Social-Media.html

[4] https://www.watson.ch/Leben/Social%20Media/693841638-Welches-das-ungesuendeste-soziale-Netzwerk-ist-und-welches-uns-sogar-guttut

 

#socialmediasick

Ausprägungen der Social-Media-KrankheitDie Social Media-Krankheit wird in der ersten Stufe allgemein als Fear of missing out (FOMO) definiert. Das bedeutet, dass die Betroffenen Angst haben etwas zu verpassen. Sie verfolgen die Geschehnisse ihrer Freunde und Bekannten auf den Sozialen Netzwerken und vergleichen sich und ihr Leben (vor allem was Parties, Partner/Freunde und Reisen angeht) damit. Meist entstehen so negative soziale Vergleiche. Die Erkrankten bekommen das Gefühl, dass ihr Leben und ihre Erlebnisse nicht genügen und alle anderen ein besseres Leben führen als sie. Weiter denken sie, dass sie von der Gesellschaft aufgrund dessen ausgeschlossen werden. Die daraus resultierenden Symptome sind: Traurigkeit, Frustration, den Zwang ständig die Profile anderer zu checken. Manche gehen sogar so weit, dass sie Erlebnisse erfinden, nur um mit anderen mithalten zu können.[1]

Die nächste Stufe der Krankheit wird als Social Media Burnout bezeichnet. Die Symptome sind mit denen des bekannten Burnouts gleich zu setzen. Es entsteht bei den Betroffenen eine Überforderung durch die unkontrollierte Flut von Informationen auf den verschiedenen Online-Kanälen. Informationen sind jederzeit und überall abrufbar, die Menschen können so immer miterleben was ihre Freunde und Bekannte tun und erleben. Zudem kommt die permanente Erreichbarkeit der Menschen, sie haben so kaum Möglichkeiten sich zu entspannen und zur Ruhe zu kommen. Etablierte Medien und Ärzte-Zeitungen warnen, dass diese Ausprägung des Burnouts die Ausgaben der Krankenkassen in Zukunft in die Höhe treiben werden. Durch die Überforderung und das dadurch resultierende Erschöpfungssyndrom entstehen neue Formen von Depressionen und Psychischen Erkrankungen, die behandelt werden müssen.[2]

Bevor das der Fall ist, können sich Betroffene einem kurzen Selbsttest unterziehen, um herauszufinden ob und wie schwer sie betroffen sind. Die wichtigsten sechs Anzeigen für eine beginnende Krankheit durch Social Media lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  1. Man ist permanent unzufrieden mit sich selbst. Es entsteht das Gefühl, dass das Leben anderer viel interessanter und spektakulärer ist als das Eigene. Die unrealistischen Ziele aus den Sozialen Medien verändern die eigene Realität und man misst sich an anderen und ihrem online kommunizierten Leben.
  2. Man fühlt sich permanent gestresst und unruhig, obwohl man nichts tut. Das Gefühl ständig etwas verpassen zu können erzeugt unterbewussten Stress und eine innere Unruhe.
  3. Man fühlt sich einsam, obwohl man hunderte von Freunden oder Followern hat. Online-Unterhaltungen ersetzen keine persönlichen Gespräche und Kontakte. Wer nur sich nur noch auf Online beschränkt, verliert den Kontakt zu seinen realen Freunden.
  4. Man gibt unnötig viel Geld aus, nur um sich ein wenig glücklicher zu fühlen. Ist man ständig online wird man auch zum Online-Shopping verleitet und bestellt schneller und unkontrolliert.
  5. Man fühlt sich in seinem Körper nicht mehr wohl. Die Profile vieler zeigen ein perfektes Leben, das sich durch einen perfekten Körper und die perfekten Erlebnisse kennzeichnet. Kann man damit selbst nicht mithalten erzeugt das ein schlechte Gefühl und führt zu Unzufriedenheit.
  6. Man fühlt sich verfolgt und beobachtet. Da jeder permanent kommuniziert wo er sich aufhält und was er gerade tut, können Bekanntschaften und das Interesse Anderer schnell aufdringlich und unangenehm werden. Diesem kann man nur schwer entfliehen.[3]

Der aktuelle Stand der Wissenschaft beschreibt, dass Mädchen mit 3,4 Prozent stärker betroffen sind als Jungen mit 1,9 Prozent. Insgesamt sind heute in Deutschland bereits rund 100.000 Jugendliche betroffen.[4]

[1] Vgl. zu diesem Abschnitt: bluepartner GmbH, https://bluepartner.de/blog/fomo-wenn-social-media-uns-krank-macht/; Abruf: 12.06.2018

[2] Vgl. zu diesem Abschnitt: Arbeits-abc.de, https://arbeits-abc.de/social-media-burnout-facebook-twitter-co-koennen-krank-machen/; Abruf: 12.06.2018

[3] Vgl. zu diesem Abschnitt: Huffingtonpost, https://www.huffingtonpost.de/raphael-murr/9-anzeichen-dass-dich-social-media-krank-macht_b_8276128.html; Abruf: 12.06.2018

[4] Vgl. Bayerischer Rundfunk, https://www.br.de/nachrichten/instagram-und-co-koennen-teenager-krank-machen-100.html; Abruf: 12.06.2018

#truestories

Wahre Geschichten - Erkrankte erzählen 30 Jahre jung und erfolgreich in der Medienwelt – Doch das ist nur Schein. Kati ist depressiv und das durch ihr eigenes Online-Leben. Wie alles begann: Die Sozialen Netzwerke gehörten zum Alltag von Kati. Jeden Tag den Newsfeed aktualisieren, sehen was Freunde und Bekannte erleben und selbst der Welt zeigen, wie toll das eigene Leben ist. Doch Ende 2014 änderte sich die Welt für Kati schlagartig: Sie erkrankte an Depression. Energielosigkeit, geringe Aufmerksamkeitsspanne, Schlaflosigkeit und Selbstmitleid bestimmten von da an ihren Alltag. Social Media als bösartige Droge, ein Teufelskreis, der kaum zu durchbrechen ist:

Ich hatte das Gefühl, etwas mitteilen zu müssen, konnte es aber nicht. Was sollte ich denn auch sagen: Ich lag auf dem Sofa und hatte für nichts Kraft. Jedes Mal, wenn ich Facebook oder Instagram gecheckt habe, kamen mir Erfolgsmeldungen aus meinem Umfeld entgegen. Ich hatte das Gefühl, das Leben geht ohne mich weiter, alle sind glücklich außer mir. […] Die Depression hat mich glauben lassen, ich sei ein Verlierer, ich sei allein. Facebook hat mich in dieser Situation bestätigt. Das ist schlimmer Stress. Und Stress ist verheerend, wenn man an einer Depression erkrankt ist.

Kati hat sich aus allen sozialen Netzwerken (Facebook, Instagram und Twitter) abgemeldet und auch beruflich musste sie sich eine Auszeit nehmen. Jetzt ist sie aber wieder zurück und gibt auch ihre Erfahrungen auf Veranstaltungen weiter.[1]

Eine weitere Geschichte, die 2015 Aufmerksamkeit im World Wide Web erregte, war die Geschichte der australischen Bloggerin Essena O’Neill – Eine Bloggerin wie aus dem Bilderbuch: Schön, durchtrainiert und Jetset-Leben. Durch ihre Beiträge im Netz hat sie pro Monat, um die 2.000 Euro verdient. Was will man also mehr? Die damals 18-jährige Essena wollte raus aus dieser Welt. Sie litt unter dem ständigen Druck perfekt zu sein und ein perfektes Leben zu führen. Deshalb fasste Essena den Entschluss ihrer Followerschaft die Wahrheit über Social Media und ihr Leben mitzuteilen: In einem 17-minütigen Youtube-Video erzählt sie, dass Social Media nicht das echte Leben ist. Es ist vielmehr eine Inszenierung, um der Welt dort draußen zu gefallen und um möglichst viele Follower und Likes zu generieren. Im Anschluss löschte sie ihren Instagram-Account und ihren Youtube-Kanal. [2]

Die Geschichten von Kati und Essena sind keine Einzelfälle und verdeutlichen, die Ernsthaftigkeit des Themas, das soziale Netzwerke krank machen können.

Quellen:

[1] http://www.spiegel.de/netzwelt/web/depression-und-social-media-facebook-war-gift-fuer-mich-a-1089834.html ; https://www.zeit.de/entdecken/2015-12/social-media-depression-facebook-twitter/seite-2

[2] https://ze.tt/weg-mit-hamlet-essena-oneill-gehoert-in-den-deutschunterricht/; https://editionf.com/Hungern-fuer-das-perfekte-Selfie–Warum-Essena-ONeill-kein-Social-Media-Star-mehr-sein-will

 

#detox

Die Lösung: Social-Media-DetoxUrsprünglich mit dem Ziel zu sozialisieren, führt Social-Media oft genau zum gegenteiligen. Was Spaß machen sollte wird anstrengend und was zwanglos sein sollte, führt zu Zwängen. So haben wir das Gefühl jederzeit auf dem neuesten Stand sein zu müssen und aktualisieren mehrmals – wenn nicht sogar Zigmal täglich die verschiedenen Netzwerke auf Neuigkeiten.

Doch was können wir tun um nicht im krankmachenden Social-Media Sumpf zu versinken, sondern ein gesundes Konsum-Maß für uns zu finden? Der neue Trend heißt hier „Social-Media-Detox“. Also eine Art „Social-Media-Diät“. Sinn ist hier, sich öfter auch mal eine Auszeit von dem Social-Media-Wahn zu gönnen. Hierfür wurden bereits einige Methoden identifiziert:

Fokussieren: Versuchen wir uns doch beim Griff zum Handy selbst zu fragen, ob wir uns grade bewusst mit sozialen Netzwerken beschäftigen wollen, oder ob wir „automatisch“ dazu greifen.

Die Push-Benachrichtigungsfunktion ausschalten: Oft kommen wir gar nicht von selbst auf die Idee zum Handy zu greifen, doch das „Ping“ aus unserem Handy, dass eine Benachrichtigung angekündigt hat, verleitet uns zum Griff nach dem Smart-Phone. Und Ups, sind schon wieder 30 Minuten vergangen. Versuchen wir also bewusster zu konsumieren, kann es helfen, die Benachrichtigungsfunktion auszuschalten. So informieren wir uns dann wann wir es bewusst vorhaben und werden nicht zusätzlich dazu verleitet.

Den Flugmodus nutzen: Wir sollten uns ganz bewusst eine Auszeit gönnen. Hierfür ist es sinnvoll das Handy in den Flugmodus zu schalten um gar nicht erst in Versuchung zu kommen. Am besten ist es hier eine Regelmäßigkeit zu generieren und z.B. jeden Abend ab 21 Uhr das Handy in den Flugmodus zu schalten und auch erst eine Stunde nach dem Aufstehen wieder an zu schalten.

Apps die wir nicht nutzen, löschen: Wie oft werden wir dazu verleitet sinnlos und vor allem unbewusst in unserem Handy rumzuwühlen und auch Apps bzw. Social-Media-Kanäle zu checken, die wir eigentlich gar nicht nutzen? Müssen wir wirklich überall dabei sein? Versuchen wir doch einmal auszusortieren und uns auf die Kanäle zu beschränken die uns wirklich Freude machen und wir regelmäßig nutzen wollen – alle anderen können weg![1]

Eine andere, Methode zum kontrollierten Social Media Konsum ist die Nutzung spezieller „Digital-Detox-Apps“. Was im ersten Moment vielleicht etwas absurd klingt, funktionier für viele tatsächlich. Häufig wissen wir gar nicht wie oft und vor allem wie lange wir Zeit im Social-Media verbringen. Nur mal eben schnell auf Instagram dem Feed checken und schauen was so „abgeht“ – und Zack ist eine Stunde vergangen. So merken wir teilweise schon gar nicht mehr wie uns die Zeit durch die Hände rinnt.

Apps wie „Quality Time“ sollen uns helfen uns unseren Konsum zu tracken und uns so genau vor Augen zu führen wie viel Zeit wir tatsächlich in Social-Media-Netzwerken verbringen. Quality Time zeichnet beispielsweise täglich genau auf wie oft und wie lange wir welche App nutzen, wie oft wir unser Handy entsperren oder wie oft und wie lange wir unser Handy insgesamt nutzen.

So liefert die App Informationen über die tatsächlichen Nuztergewohnheiten – und diese liegen in den meisten Fällen fernab von unseren gefühlten Nutzungszeiten. Außerdem hat die App die Funktion einen Nutzungsalarm zu setzten. Mit dieser Funktion kann die Zeit die du insgesamt mit deinem Smartphone, oder mit der Nutzung einzelner Apps verbringst, einschränken. So können wir bewusst festlegen, dass wir die Nutzung von Facebook, Instagram & Co. zum Beispiel auf eine Stunde täglich beschränken wollen. Sobald dieses Limit erreicht ist, erinnert uns die App daran und so können wir die unbewusste Nutzung von Social-Media umgehen.

Es gibt viele weitere Apps („Offtime“, „Menthal“,“App-Detox“ usw.) mit ähnlichen Funktionen, die wir zur Unterstützung nutzen können. Natürlich sind die obengenannten Hilfsmittel nur eine Auswahl an Möglichkeiten und eher Mittel zur Prävention für Krankheiten die durch den übermäßigen und falschen Konsum von Social-Media entstehen können.[2]

Hilfe bei Onlinesucht

Hilfe zur Selbsthilfe findet man unter onlinesucht.de

 

Quellen:

[1] Vgl. https://www.elle.de/social-media-stress-6-tipps-social-detox-250413.html

[2] Vgl. https://www.karolinemohren.de/digital-detox-apps/

 

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